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Messe-Lieblinge ohne Zukunft? Wieso modulare Smartphones (noch) nicht durchstarten


Wir leben auf Pump. Am 08.08.2016 haben wir den Zeitpunkt erreicht, an dem die Menschheit alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen des Planeten für dieses Jahr aufgebraucht hat. Zum Vergleich: dieser Zustand wurde im vergangenen Jahr erst vier Tage später, am 13.08., erreicht. Höchste Zeit also, dass wir uns um nachhaltigere Konzepte für unseren Alltag Gedanken machen.

Ein Teil dieser Überlegungen kommt aus der Mobiltelefonbranche. Green IT ist hier eines der Schlagworte für die Zukunft. Dort arbeiten einige größere und kleinere Hersteller seit einigen Jahren an Konzepten, mit denen zumindest die Verringerung des Elektroschrotts erreicht werden soll. Firmen wie Motorola, Google oder auch noch nicht so bekannte Hersteller wie Fairphone setzen dabei auf modulare Smartphones, die im Baukasten-Prinzip aufgebaut sind, sodass sich einzelne Komponenten entfernen und austauschen lassen. So muss im Schadensfall nicht das gesamte Handy entsorgt und ersetzt werden, denn in der Mehrzahl aller Fälle ist nur ein Bauteil des Geräts betroffen und versagt den Dienst. Außerdem soll dem User mehr Gestaltungsfreiraum bei der Zusammenstellung seines Devices erlaubt werden. Je nach Präferenz lässt sich so ein größerer Akku oder eine leistungsstärkere Antenne verbauen, ein nicht benötigtes Feature kann hingegen kleiner gewählt oder komplett weggelassen werden. Auf etlichen Technikmessen konnten diese Konzepte begeistern, in den Alltag haben es diese Modelle jedoch bisher nicht geschafft.

Idealismus und unbegrenzte Möglichkeiten

Gehen wir einzig nach dem bisherigen Geräte-Output, ist das Fairphone, welches mittlerweile in seiner zweiten Generation erhältlich ist, der erfolgreichste Kandidat. Zwar hat sich der niederländische Hersteller nicht primär auf die modulare Technik spezialisiert, sondern hat diese mit dem Zweitmodell quasi erst aufgepickt. Im Fokus steht bei Fairphone eine höchstmögliche Transparenz der Produktionskette bei Einhaltung ethischer Mindeststandards für alle Beteiligten, angefangen beim Rohstoffabbau bis hin zur Fertigung des Produktes. Sicherlich findet die Produktion auch in Afrika und Asien statt, jedoch bemüht sich die Firma darum, Arbeit zu sowohl moralisch einwandfreien als auch gesundheitlich und finanziell vertretbaren Konditionen zu ermöglichen. Das geschieht über Sonderverträge mit den Produktionsfirmen, aber auch über Unterstützung ökologischer Projekte wie Recyclingprogrammen vor Ort. Zwar gibt es an einigen Stellen Kritik, dass sich die Außendarstellung nicht ganz mit der Produktionsrealität von Fairphone deckt, dennoch ist man hier gegenüber den Branchenriesen definitiv schon weiter. Man erinnere sich nur an die Horrorgeschichten aus den Foxconn-Produktionsstätten, in denen Arbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen Apple-Geräte zusammensetzen.

Ein Global Player, der die Zeichen der Zeit ebenfalls erkannt hat, ist Google. Dort übernahm man das von Motorola initiierte Project Ara. Motorola ging zwischenzeitlich in Lenovo auf, die Rechte an der Entwicklung eines modularen Smartphones sicherte sich aber Google. Der Weltkonzern mit Sitz in Kalifornien trieb mit ungeheurem finanziellen Aufwand Konzeption und Entwicklung voran, konnte bisher aber noch kein finales Gerät präsentieren. Anfangs als vollmodulares Gerät angedacht, hat man dies (Stand 2016) auf ein nur teilweise bausteinförmiges Smartphone zusammengestutzt. Vorrangig deshalb, weil man mit unerwartet vielen technischen Herausforderungen zu kämpfen hatte, für die man bisher keine rundum zufriedenstellenden Lösungen gefunden hat. So stellt sich beispielsweise die Verbindung des Grundgerüsts, auf dem auch die Platine vorverbaut ist, mit den wechselbaren Blöcken als schwierig heraus. Ursprünglich sollte dies mit via App ansteuerbaren Elektromagneten realisiert werden, der für 2017 anvisierte Erstling wird dann aber doch über ein robusteres Stecksystem verfügen. Der zwischenzeitliche interne Umbau bei Google (unter der neuen Alphabet Holding) hat Project Ara nochmals ausgebremst.

Auch bei Phonebloks, einem Projekt des Designers Dave Hakkens, haben sich die Pläne wohl zerschlagen, das bisherige Konzept, welches in der Presse mit viel Begeisterung aufgenommen wurde und durchaus gute Zukunftsaussichten besaß, tatsächlich in der Form produzieren zu lassen. Anbieter wie PuzzlePhone oder RePhone sind hier teilweise schon weiter, richten sich aber beispielsweise an versiertere User mit Bastelbegabung und sind so für den breiten Markt nicht ganz so interessant.

Technik in den Kinderschuhen

In der Markttauglichkeit besteht dann auch eines der größten Probleme. Solange beim Endkunden kein Bewusstsein für umwelt- und sozialverträgliche Technologien besteht, wird auch die Industrie - namentlich die Branchenriesen um Apple und Samsung - keine Veranlassung sehen, Entwicklungskapazitäten und Gelder in modulare Geräte oder gar in ethisch und ökologisch vertretbare Produktionsprozesse zu stecken. Ähnliches hat man in den vergangenen Jahren in der Automobilbranche beobachten können. Dass Konzerne dieses Bewusstsein ihrer Kunden schärfen können, steht außer Frage. Die Notwendigkeit aus rein finanzieller Sicht besteht dort aber nicht. So suchen andere Hersteller Wege und Möglichkeiten, Ihre Konzepte in die Realität umzusetzen und letztlich an den Mann zu bringen. Dazu bedarf es aber eines langen Atems, um am Ende Geräte auf den Markt zu bringen, die es mit den Highend-Modellen aufnehmen können. Und das sowohl technisch, preislich als auch optisch. Bisher gewinnt beispielsweise das Fairphone 2, das 2014 erschien, wohl keine Designpreise. Auch die technischen Eckdaten haben nicht viel mit einem aktuellen Flaggschiff der Kategorie Samsung Galaxy S7 oder iPhone 6s gemein. Die Unterstützung für diese kleinen, eher ideologisch motivierten Hersteller, dürfte zumindest seitens der Industrie auch eher gering ausfallen. Schließlich hat man einen voll funktionierenden Markt mit etablierten Standards, die wiederum andere Hersteller mit Zubehör wie Kopfhörern, Handyhüllen oder Akkus bedienen. Die Telefone im Baukastenprinzip könnten hingegen eine tiefgreifende Umwälzung des Marktes bedeuten, welche nicht zuletzt dem Konsumenten mehr Entscheidungsgewalt verleiht und gleichzeitig vollkommen neue Nebennischen schafft.

Kursbestimmung

Es bleibt letztlich spannend, in welche Richtung sich die Smartphoneindustrie zukünftig bewegt und ob modulare Geräte überhaupt Teil dieser Zukunft sein werden. Potential besitzt diese Technik sicherlich, wenn Sie den Kinderschuhen denn erstmal entwachsen kann. Wir als Nutzer können dabei noch ein ganz wichtiger Faktor werden.
[ql]